Die Virtual Reality Themenparks kommen

„Void“ beschreibt in der englischen Sprache so etwas wie eine Lücke. Diese scheint die Firma „The VOID“ nun schließen zu wollen, mit einem spannenden neuen Konzept für einen Freizeitpark, dessen Kerngeschäft die „Virtual Reality“ werden soll. Die Idee mit 3D-Sichtbrille und Datenhandschuh eine fiktive Welt zu bereisen, wurde schon oft als Vision und in Geschichten beschrieben.

Wer sich noch an den heute verstaubt wirkenden Film „Der Rasenmähermann„, erinnert, ist mit der Idee bereits vertraut. Das ganze in einen Freizeitpark zu packen erinnert indess eher an Filme wie „Westworld“ (von dem es 2016 übrigens ein Remake geben wird). Das Grundkonzept hinter alldem ist immer das selbe: Man erschafft eine Umgebung, die zwar teilweise künstlich sein mag, aber die eine Idee umsetzt, welche wir in unserer konventionellen Wirklichkeit sonst nicht antreffen können. Jeder Freizeitpark arbeitet letztlich nach genau diesem  Prinzip, jedes Volksfest tut etwas ähnliches und selbst die prunkvollen Labyrinthe in königlichen Schloßgärten, fußen auf derselben Faszination.

Wirft man einen Blick zurück in die Kindheit, so hat man im Sandkasten oder beim verkleideten Spiel nichts anderes getan. Man erschuf sich eine Welt, die es so eigentlich nicht gibt. Wer heute einen Roman liest, vollzieht immer noch denselben Schaffensprozess im Geiste. Das Gegenstück dazu ist die Ausgestaltung der eigenen Vorstellung in der Realität. So wie ein Künstler eine Skulptur erschafft oder ein Architekt ein Gebäude, sind wir alle in der Lage, mehr oder weniger, Einfluss zu nehmen, auf unsere Umwelt. Wir können dies unmittelbar durch unsere eigenen Hände tun, oder mittelbar, etwa indem wir andere beauftragen uns ein Haus bauen.

Eine Variante davon finden wir beim Spiel, in dem wir auf eine künstliche Welt Einfluß nehmen. Sei es, dass wir bei Monopoly die Stadt aufkaufen, bei Risiko die Welt erobern oder in einem Onlinecomputerspiel gegen Drachen kämpfen und Weltraumschlachten führen. Unser Tun ist echt, aber es wirkt sich auf etwas aus, das flüchtig ist und nur von wenigen Menschen wahrgenommen wird. Wer sich intensiver mit diesem Thema befasst wird schnell merken, dass die Grenzen dabei fließend sind. Als Beispiel, stelle man sich vor, wie ein Investmentbanker einem idigenen Indianerstamm zu erklären versucht, was er geschaffen hat.

Ein typischer Freizeitpark, wie wir ins bisher kannten, versucht zwar ebenso eine künstliche Welt zu erschaffen, aber tut dies meist mit sehr greifbaren konkreten Formen. Die Kulissen der Achterbahn im ScienceFiction-Design lassen sich nicht nur sehen, sondern auch berühren. Die Comparsen sind echte Menschen, mit Kostümen aus Stoff und Plastik. Wir werden auf der Achterbahn wirklich durch die Gegend gefahren und erleben echte Beschleunigungskräfte. Im Gegensatz dazu erleben wir die Welten von Onlinecomputerspielen wie World of Warcraft, nur als visuellen Eindruck. Die Fiktion wird dennoch erlebbar und es erfolgt etwas, das man auch als „Immesion“ bezeichnet. Wir werden in die künstliche Welt mit unserem Geist und unserer Orientierung „hineingezogen“ und fühlen uns als Teil von ihr, obwohl wir sie weder betreten noch anfassen können. Selbst in einem Kinosaal kommt es meist zu einer solchen „Immersion„. Doch während wir den Film nicht selbst bestimmen können, wir weder die Perspektive, noch die Bewegung oder die Handlung gestalten, erhalten wir in einem Onlinespiel all diese Möglichkeiten. Was die Gestaltung der Geschichte angeht, sind wir bereits Teil der fremden Welt. Unser Geist befindet sich schon dort. Nur unser Körper sitzt noch vor dem Bildschirm.

Der Detailgrad, die darstellbaren Szenarien und die somit erschaffbaren Welte, haben sich in den letzten Jahren immer schneller intensiviert. Das, was Computergrafik und mathematische Berechnungen heute zu leisten vermögen eröffnet uns Möglichkeiten, hinter denen klassische Freizeitparks die aufwändig aus echten Materialien gebaut werden müssen, oft weit zurück bleiben müssen. The VOID versucht nun diese Vorteile zu nutzen und in die greifbare echte Kulisse eines Freizeitparks zu überführen. Nicht nur unser Geist, sondern auch unser Körper sollen an der fremden Welt teilhaben und darin eintauchen. Dabei werden die Vorteile von echter Kulisse und Computergrafik kombiniert, ähnlich wie dies auch in Filmen inzwischen üblich ist.

Möglich wird so ein „Virtual-Reality-Center“, erst durch die großen Fortschritte im Bereich der „VR-Brillen“ in den letzten Jahren. Kleine leichte, aber dennoch leistungsfähige Displays, Sensoren und Prozessoren, wurden nicht zuletzt durch unsere Smartphones massentauglich und erschwinglich. Datenhelme und Datenhandschuhe die früher ungenau, klobig, unerschwinglich und extrem schwer gewesen wären, können nun ausreichend günstig und klein genug produziert werden und liefern akzeptable Ergebnisse, mit der Aussicht auf baldige weitere Fortschritte. Das, was mit einer Kulisse aus echten Wänden nicht dargestellt werden kann, blendet uns nun die VR-Brille ein. Dafür liefert die echte Mauer die massive Barriere, die sich nicht auf künstlichem Wege hätte erzeugen lassen.

Anders als im „Holodeck“ von Raumschiff Enterprise, in dem auch die Wände vom Computer dynamisch erzeugt werden, sind sie in the VOID schon vorgegeben. Ob sie aber eine Weltraumstation oder eine Burgmauer darstellen, entscheidet das dynamisch austauschbare Bild, das uns die VR-Brille passgenau dazu liefert. Der Spieler kann also zu Beginn wählen, ob er in einer mittelalterlichen Kulisse oder einem ScienceFiction-Szenario herumstapfen will. Da die Mauern aber wirklich existieren, kann er sich dagegen lehnen, sich daran entlang tasten, aber keinesfalls einfach durch sie hindurch gehen.

Bald schon können wir alle daheim unsere eigene VR-Ausrüstung besitzen. Vielleicht werden wir auch zukünftig viel mehr Zeit in künstlichen Welten verbringen oder Abläufe, wie das Websurfen oder Emaillesen im Rahmen einer solchen VR-Welt darstellen. Wir könnten auch unser Zuhause täglich in einem virtuellen Look erstrahlen lässen, die Farbe der Wände variieren, einen Wasserfall einblenden oder unsere Wohnung virtuell in eine alte Bibliothek verwandeln. Selbst dann aber bliebe the VOID uns vermutlich noch erhalten, denn dort gäbe es das, was wir daheim oft nicht haben: Platz um herumzutoben. Wer mit einem großen Drachen in einem Labyrinth kämpfen will, wird dazu in seiner eigenen Zweizimmerwohnung vermutlich nicht genügend Platz vorfinden und mit dem virtuellen Schwertschlag wohlmöglich sein Inventar zertrümmern.

Das klingt noch nach eine weit entfernten Zukunft. Blickt man auf die vielen Visionen in der Vergangenheit zurück, die sich mit solchen Freizeitmöglichkeiten befasst haben, waren die meisten dieser Visionen auch tatsächlich ein Ausblick in eine noch nicht allzu nahe Zukunft. Doch es ist Zeit vergangen und die Dinge ändern sich. Die ersten Virtual Reality Themeparks sollen bereits 2016 öffnen und sich dann langsam in alle Teile der Welt ausbreiten. Am Anfang könnte es ein exklusiver Luxus bleiben, aber das Konzept und die Technik sind tragfähig. Man darf also gespannt sein, wie sich die Dinge in den nächsten Jahren entwickeln werden.

thevoid.com

Die Fachzeitschrift „c’t“ hat einer Demoanlage von VOID einen Besuch abgestattet und die Erfahrungen daraus finden sich in diesem interessanten Artikel.

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